Ich bewundere das Pfuusbus-Team

Eine Operation und unbezahlte Heilungskosten brachten Hans in finanzielle Nöte. Diese trieben den Bergler und ehemaligen Küchenchef in die Obdachlosigkeit.

Kurz vor meiner Pensionierung musste ich mein linkes Sprunggelenk operieren lassen. Eigentlich ein Routineeingriff. Leider bekam ich im Spital einen Infekt, so dass ich ins Koma fiel. Acht Wochen. Ein letzter medizinischer Versuch brachte die nicht mehr erwartete Wende – und es ging wieder bergauf. Und dennoch wurde nicht einfach alles gut. Jener Spitalaufenthalt und die anschliessende Reha erschütterten mein Vertrauen in die Behörden und Versicherungen zutiefst. Denn für einen erheblichen Teil der Rehakosten wollte keine Versicherung aufkommen. Ich hätte wohl juristischen Rat nötig gehabt. Aber ich kenn mich da nicht so aus und bin so erzogen worden, dass man seine Schulden bezahlen muss. Also setzte ich zur Begleichung der Schulden einen Grossteil meines bescheidenen Pensionskassenguthabens ein. Fortan lebte ich allein von meiner kleinen AHV-Rente in einer Aargauer Landgemeinde. Als mir mein Zimmer gekündigt wurde und ich kein bezahlbares mehr fand, sah ich nur noch die Strasse als Ausweg. Meiner Schwester, zu der ich einen guten Draht habe, möchte ich nicht auf der Tasche liegen. Immerhin darf ich bei ihr meine Postadresse haben. Ich ging nach Zürich und lebte dort unter Brücken, in Parks oder beim Hauptbahnhof. Als Obdachloser lernst du die Menschen nochmals anders kennen. Oft ignorieren dich die Leute. Es gibt aber auch Ausnahmen: Als ich in einer Fussgängerpassage in der Europaallee logierte, umsorgten mich Angestellte eines Geschäfts liebevoll. Sie schenkten mir zu Weihnachten gar 100 Franken und eine Karte, auf der alle Angestellten unterschrieben hatten. Das rührte mich sehr.

Ein Glück, dass ich kein Problem mit Alkohol habe. Denn zweimal wurde ich Opfer von Prügelattacken. Zum Glück war ich nüchtern und schaffte es, zu entkommen. Aber das Leben auf der Strasse ist hart. Als es mir gesundheitlich immer schlechter ging, fand ich über das Ambulatorium der Stadt den Weg ins Spital Sune-Egge von Pfarrer Sieber. Dort wurde ich zwei Monate lang fürsorglich gepflegt. Ich bin angesichts der herausfordernden Patienten dort sehr beeindruckt von der grossen Freundlichkeit des Personals. Und im Spital bemühten sie sich um eine Wohnanschlusslösung für mich. Leider vergeblich. Spitalseelsorger Andreas Käser machte mich dann auf den Pfuusbus aufmerksam. Den kannte ich bislang nur aus den Medien. Ich hätte nie gedacht, dass ich ihn mal persönlich brauche.

Die Betreuer im Pfuusbus sind wunderbare Leute. Sie helfen, wo sie können, und immer schaffen sie eine gute Atmosphäre. Das ist nicht einfach. Das weiss ich als erfahrener Küchenchef. Am Brünig in einer siebenköpfigen Familie aufgewachsen, arbeitete ich mein Leben lang in bedeutenden Hotels in Tourismusdestinationen wie Adelboden, Zermatt, Saas Fee oder der Riederalp, in Italien und Savoyen und auch etliche Jahre im Stade de Suisse in Bern. Da weiss man, was es braucht, um unterschiedliche Gäste zu bewirten und dafür zu sorgen, dass alle sich wohl fühlen.

Leider sind nicht alle Gäste dankbar. Klar, wer psychisch krank oder besoffen ist, weiss nicht, was er tut. Aber es gibt auch jene, die einfach gern motzen. Das verstehe ich nicht. Ich bewundere, wie freundlich Pfuusbus-Leiterin Barbara Leuthold und ihr Team uns begegnen. Meine Zukunft? Mit der Unterstützung der Sieber-Leute suche ich ein Zimmer. Ich bin zuversichtlich, dass es klappt. Auch wenn in meinem Leben vieles schief lief, sehe ich mich als Glückskind.»

• Aufgezeichnet von Walter von Arburg